Wenn Öffis Öffentlichkeitsarbeit machen

Dass Öffis einen Haufen Geld in ihre Social Media Präsenz stecken, ist ein Trend, den man irgendwie kaum mitbekommt, wenn niemand es einem sagt…was die Sinnhaftigkeit des Ganzen irgendwie auch fragwürdig macht. Na gut, vielleicht lebe ich auch nur unter einem Stein.

Immerhin folgen unglaubliche 2,4 Millionen Menschen dem Twitteraccount „Transport of London“ und 76.000 der Berliner Verkehrsgesellschaft auf Instagram. Auch wenn ich den Sinn von so großen Investitionen, wenn es keine Konkurrenzunternehmen gibt, noch immer nicht ganz verstehe, sind sowohl die Berliner wie auch die Londoner Profile super gelungen und (ich hätte nie gedacht, dass ich das einmal über Öffis sage) unterhaltsam.

Deswegen hier eine kleine Analyse der beiden Unternehmensauftritte im Vergleich.

Die Interaktionsrate
Sowohl London wie auch Berlin haben ungewöhnlich hohe Interaktionsraten auf Instagram – London verzeichnet mit 74.000 Followern eine Userinteraktion von rund 18%, Berlin mit 76k sogar eine von unglaublichen 36%.

Bei Twitter haben beide Städte sogar noch mehr Follower. London folgen 2,4 Millionen Menschen, Berlin rund 280.000.
Die Interaktionsraten sind (typisch für Twitter) aber viel geringer. Drei Prozent für Berlin und traurige 0,01 Prozent für London. Da beide aber mehr Follower hier haben, scheint der Content trotzdem gerne gesehen zu werden.

Das Corporate Design
Hier gehen meiner Meinung nach alle Punkte an Berlin. Mit dem Slogan „Weil wir dich lieben“ der sich durch alle Accounts durchzieht, dem einfachen gelben Herz als Logo und dem selbstironischen Header auf Twitter wirken sie jung und sympathisch.

Londons Skyline-Header und die trockeneren Beschreibungen und Logos können da nicht mithalten.

Instagram
Auf Instagram verfolgen beide Accounts eine so ähnliche Strategie, dass man sich fragt, wer von dem geklaut hat. Okay, vielleicht ist Usergenerated Content jetzt auch nicht so die Idee das Jahrhunderts. Für Berlin übernimmt jede Woche eine andere freiwillige Person den Account. Bei London werden einzelne Zusendungen mit Verlinkung gepostet.
Auch wenn die Idee von Berlin mehr Anklang findet und auch ungewöhnlicher ist, finde ich die Fotos des Londoner Kanals cooler und vielfältiger. Das ihr eigentlicher Fokus auf Twitter liegt merkt man aber auch, weil sie immer wieder Screenshots von Twitter auf Instagram posten.

Die Highlights beider Kanäle sind ziemlich gut gelungen, auch wenn London auch hier das Internet endgültig verstanden hat und die Stories „cute“ (Babys, HUNDEBABYS…) und funny (Fails, weirde Situationen…) regelmäßig bespielt.

Twitter

Tweets sprechen mehr als tausend Worte. Deswegen hier ein paar exemplarische Tweets beider Städte.

Zuerst Berlin:

Der BVG setzt auf Selbstironie und geht auch gerne manchmal in die Offensive, wenn User*innen Kommentare abgeben. Außerdem werden viele Referenzen zu Musik und Kultur gemacht und Sarkasmus hoch geschrieben. Eine Strategie die viel Feingefühl braucht und vielleicht auch manchmal aufregt, aber sehr gut ankommt.

Uuuuuund London:

London setzt auf Twitter viel auf Verlinkungen zu Blogs und hat einige Reihen, die gar nichts mit den Öffis an sich zu tun haben. Zum Beispiel posten sie regelmäßig kleine, lokale Unternehmen die sie für unterstützenswert halten. Im Communitymanagement sind sie klassischer unterwegs – freundliche Antworten, Retweets von positivem Feedback und Quizes  die die Userinteraktion fördern. Die geringere Interaktion, als bei Berlin, ist vermutlich genau darauf zurück zu führen.

YouTube 

Für YouTube gilt eigentlich ähnliches, wie für Twitter. Der Berliner Account ist kreativ und auf Musik ausgelegt. Hier wurden sogar eigene Musikvideos geboren, aber auch coole Aktionen wie „U2 in der U2“. London stinkt daneben mit allgemeinen Videos über Fahrstrecken und das Unternehmen eher ab. Nochmal zwei Videos im Vergleich:

 

Fazit

Beide Unternehmen stecken viele Ressourcen in ihre Öffentlichkeitsarbeit. Aber Berlin ist immer (bis auf Instagram vielleicht) ein bisschen kreativer und traut sich mehr. Was für einen großen Unterschied das letztendlich für die Fahrgastzahlen der beiden Verkehrsunternehmen macht, bleibt fragwürdig. Trotzdem macht es wohl was aus – immerhin folge ich jetzt dem Berliner Twitteraccount, ohne überhaupt in Berlin zu wohnen.