Warum die Facebookseite der Polizei nur positive Vibes hat

Für den einen Freund und Helfer, für den anderen ACAB. Die Polizei übernimmt in jeder Gesellschaft eine große Verantwortung. Sie sorgt für Sicherheit, und greift dazu auch mehr oder weniger in unser Leben ein. Die Arbeit einer Polizistin ist eine tägliche Gratwanderung. Dabei stoßen unweigerlich verschiedene Werte- und Moralvorstellungen aufeinander. Das polarisiert ungemein. Dementsprechend schwer ist es eine solche Institution nach außen hin zu vertreten. Polizeiarbeit betrifft alle, somit ist auch jeder User ein potentieller Follower, aber auch ein potentieller Hater. Polizeiliche Öffentlichkeitsarbeit sollte in erster Linie informierend, aufklärend, und imagefördernd sein.

Wie man es nicht macht

Dass das mit dem imagefördernd oft nicht so leicht ist, zeigen zahlreiche Fälle aus der Praxis. Beispielsweise eine Aktion der New Yorker Polizei, die Userinnen dazu aufforderte, Fotos mit Beamten unter dem Hashtag #myNYPD zu posten. Die Rückmeldungen waren wohl anders als erwartet:

Quelle: https://www.huffingtonpost.com/2014/04/22/mynypd-nypd-twitter_n_5193523.html
Quelle: https://www.huffingtonpost.com/2014/04/22/mynypd-nypd-twitter_n_5193523.html

Ähnlich schlecht funktionierte folgender Post der Neuseeländer Polizei. Seht selbst…

Quelle: https://www.bbc.com/news/blogs-trending-41550066

Man sieht also: Der Ton einer Polizei-Imagekampagne sollte mit viel Bedacht gewählt werden.

So ist es in bei uns

Und bei unserer Polizei? Auch wenn sie in den klassischen Medien öfters in der Kritik steht, schlägt sie sich auf Social Media recht gut.

Jedes Bundesland betreibt seine eigene Facebook Seite. Instagram bespielt die User  Bundesweit. Auf Twitter existieren nur Kanäle für Wien, Niederösterreich, Oberösterreich und Kärnten.

Die Wiener Kanäle haben mit Abstand am meisten Follower. Auf sie werfe ich einen genaueren Blick:

Facebook: @WienerPolizei.at 

Hard Facts:

  • seit: 2010
  • Follower: 60 000
  • Posts am Tag: 1,8
  • Interaktionsrate: 5 %
  • Contentformate:
    • Fotos: 83%
    • Videos: 15%
    • reiner Text: 2%

Der Beiträge teilen sich thematisch in informative, präventive und imagefördernde Inhalte:

Quelle: https://www.facebook.com/WienerPolizei.at/
Quelle: https://www.facebook.com/WienerPolizei.at/

Vor allem die imagefördernden Posts, wirken sehr sympathisch. Meistens sind es Videos. In ihnen können Kollegen beweisen, wie gut sie sich kennen:

Quelle: https://www.facebook.com/WienerPolizei.at/

…oder Kinder laden zum Mitraten ein.

Quelle: https://www.facebook.com/WienerPolizei.at/

Interaktion mit den Userinnen

Eines der wichtigsten punkte im modernen Social Media Management ist die Kommunikation mit den Nutzern. In diesem Punkt geben sich die Betreiberinnen der Facebook Seite große Mühe schnell und adäquat zu antworten:

Quelle: https://www.facebook.com/WienerPolizei.at/

Wie bereits erwähnt, stoßen bei der täglichen Polizeiarbeit verschiedene Werte- und Moralvorstellungen aufeinander. Wie anderswo auf Facebook auch, geraten regelmäßig Nutzer zu politischen Themen aneinander. Aufgrund des vergleichsweise milden Tons, liegt die Vermutung nahe, dass die Seitenbetreiber regelmäßig beleidigende Kommentare löschen. Sie bemühen sich auch aktiv solche diskurse aus den Kommentaren zu halten:

Quelle: https://www.facebook.com/WienerPolizei.at/

Selbst bei Detailfragen zu konkreten Verbrechen meldet sich der Admin der Seite zu Wort:

Quelle: https://www.facebook.com/WienerPolizei.at/

Interaktionen mit anderen Organisationen erwecken den Anschein einer transinstitutionellen Community und wirken ebenfalls sehr sympathisch:

Quelle: https://www.facebook.com/WienerPolizei.at/
Quelle: https://www.facebook.com/WienerPolizei.at/
Quelle: https://www.facebook.com/WienerPolizei.at/

Twitter: @LPD Wien 

Hard facts:

  • Follower: 73 000
  • Seit: 2014
  • Posts am Tag: ca. 5-15
  • Interaktionsrate: ca. 1%

Die Wiener Polizei versteht es Twitter dafür zu nutzten, wofür Twitter da ist – aktuelle Meldungen:

Quelle: https://twitter.com/lpdwien?lang=de

Der Twitter – Dienst der Polizei kann eher als Service – Leistung anstatt als Infotainment gesehen werden. Schnelle Meldungen zu aktuellen Einsätzen, Verkehrsbehinderungen oder gar Warnungen liest man zuerst immer auf Twitter. Der Account richtet sich teilweise auch direkt an Medienvertreter:

Quelle:
https://twitter.com/lpdwien?lang=de

Fazit

Der Social Media auftritt der Wiener Polizei zeigt sich besser als erwartet. Die Beiträge sind stets in einem passenden Ton verfasst, außerdem bespielt die Redaktion Facebook (Info, Image,…) und Twitter (Kurzmeldungen) ihrem Nutzen entsprechend. Am meisten überrascht hat mich jedoch das ausgezeichnete Community Management auf Facebook. Mit angemessener und standhafter Moderation, schaffen es die Admins fast alle Kommentarspalten Hass-Posting-frei zu halten. Angesichts der derzeitigen politischen Stimmung im Land sehr beachtlich.