„Die Große hat heute Flötenunterricht um 3, der Kleine isst seit gestern Karottenbrei.“ Aha.

Jene Generation, die in den 2010er Jahren zu Welt kommt, ist die erste, die komplett in der Welt des Datenkapitalismus groß wird. Von jedem Kind werden so viele Informationen festgehalten wie nie zuvor. Alexa steht in den Kinderzimmern und via WhatsApp werden an alle Verwandten Fotos und Videos von jedem Meilenstein verschickt. Doch was, wenn die Eltern freiwillig alle Infos und für jeden Zugreifbar veröffentlichen? Und damit auch noch richtig viel Geld verdienen? Was wird später aus Kindern von Influencern?

Jedes heranwachsende Kind kommt früher oder später in ein Alter, in dem alles, aber wirklich alles peinlich ist, was nicht aus dem eigenen, gezielten Willen heraus entsteht. Ich kann mich noch gut an eine Zeit erinnern, als ich es absolut schrecklich fand, gemeinsam mit meiner Familie Videoaufzeichnungen aus den ersten Jahren meines Lebens anzusehen. Dabei spielte es eigentlich keine Rolle, ob ich singend in der Badewanne saß oder trotzig mit dem Gesicht voran im Schnee gelegen bin. Kinder sind, logischer- und glücklicherweise, noch nicht in feste Verhaltensnormen unserer Gesellschaft gewöhnt und verhalten sich demnach, nun ja, wie Kinder eben.

Die Vorstellung, dass mehrere hunderttausend Menschen diese Aufnahmen aus dem Alltag meiner vierköpfigen Familie regelmäßig ansehen, aktiv mitverfolgen und ihre Meinung dazu abgeben erscheint mir als vollkommen absurd. Ich kann es mir ehrlichgesagt nicht einmal vorstellen.

Wenn Mama Influencerin ist

Aber genau das ist momentan ein richtiger Trend auf YouTube und Instagram, Mami und Papi Blogger, Vlogger und weiß der Geier was noch schießen wie Unkraut aus dem Boden. Und haben auch noch richtig Erfolg damit.

Das gesamte, immer üppiger werdende Familienleben kann mit Postings in Form von Fotos und Videos finanziert werden, solange es genug Personen ansehen. Aber wer verfolgt denn so etwas aktiv? Auf den ersten Blick wirken diese Videos komplett belanglos: „Die Große hat heute Flötenunterricht um 3, der Kleine isst seit gestern Karottenbrei.“ Aha.

Anscheinend muss man tiefer in das komplett eigene Universum von Familienbloggern hineintauchen, um den Reiz dahinter zu verstehen.

Das eigene Leben zur Serie machen

Im Prinzip interessieren sich Menschen ja auch für Sitcoms und Serien verschiedenster Familien. „Malcolm Mittendrin“ ist wohl jedem, der in seiner Jugend Pro7 geschaut hat ein Begriff und „Modern Family“

wurde bereits mehrmals mit der Auszeichnung „beste Comedy Serie“ verliehen. Hier verfolgt der Zuschauer im Prinzip auch bloß das Leben einer Familie. Der einzige Unterschied hierbei ist, dass Serien wie diese mit einem Skript versehen sind. Die SchauspielerInnen haben mit den Charakteren nichts zu tun und die Umgebung ist genau durchdacht von BühnenbildnerInnen. Außerdem muss jede Folge eine Pointe enthalten. Einen durchdachten Plot. Damit das Interesse des Zusehers erhalten bleibt. Das normale Leben ist aber nun einmal nicht immer von Dramen und fesselnden Handlungen geprägt -Aaaaber manchmal ist es das bei Familienbloggern doch! Zumindest wird aus allem ein Highlight gemacht. Sehen wir uns also mal so einen Mamakanal auf YouTube an.

So intim wie möglich

Die zweit erfolgreichste Influencerin im Familienbereich ist Isabeau.Sie hat fast 600 000 Abonnenten. Das Video mit dem Titel „Unser drittes Wunder ist da | Spontane Geburt“ hat 1,6Mio Aufrufe. Zum Vergleich: München, die drittgrößte Stadt Deutschlands, hat „nur“ 1,4Mio Einwohner.

Zum Glück sieht man in dem Video nicht direkt die Geburt. Dennoch ist alles drumherum festgehalten. Isabeau leidet den ganzen Tag an Wehen und berichtet von jeder kleinsten Veränderung, die sich im Laufe dieses Tages tut. Sie liegt am Sofa und schaut komplett fertig aus (was ja verständlich ist in diesem Stadium einer Schwangerschaft). Sie kreist stöhnend die Hüfte während im Hintergrund auf einem riesigen Flatscreen eine Kinderserie läuft. Sie legt sich zur Entspannung in die Badewanne. Wieder Hüfte kreisen. Es ist dunkel, sie sind im Krankenhaus. Mehr Hüfte Kreisen, mehr Stöhnen. Eine PDA. Juhu, das Baby ist da.

Ich bin ja generell dafür, dass Situationen enttabuisiert werden. Unsere Gesellschaft ist so festgefahren auf Gewisse Dinge, alles Intime findet hinter geschlossenen Türen statt. Da finde ich es nicht schlecht, wenn auch mal von platzenden Fruchtblasen erzählt wird. Eine Geburt ist nun mal schmerzhaft, da darf es ruhig normal sein, dass gestöhnt wird. Und es ist natürlich auch total schön, wenn ein Kind das Licht der Welt erblickt. Und ich finde es auch großartig, wenn sich Personen, die mit Dingen wie diesen nie in Berührung kommen sich damit auseinandersetzen. Aber, muss hierfür die eigene Geburt herhalten? Ich finde es auch spannend meine Babyfotos und Videos anzusehen, Geschichten meiner Eltern zu hören. Aber würde ich wollen, dass zigtausende Menschen diese Situation kommentieren? Nein. Definitiv nein.

Wenn das gesamte Leben erneut angeschaut werden kann

Es muss doch komplett crazy sein, die eigene Kindheit einmal komplett rekonstruieren zu können.

Die ältesten Videos von Isabeau sind  5 Jahre alt. Zu diesem Zeitpunkt war ihre älteste Tochter Leona 1,5 Jahre alt.  Seitdem wurde so gut wie jede Woche mindestens ein Video hochgeladen. Leona wird genau wissen wann sie im Zoo waren, wann ihr erster, zweiter, dritter Zahn ausgefallen ist, wie ihr erster, zweiter Umzug abgelaufen ist. Was ihre Lieblingsspielzeuge zu welcher Zeit waren, welche Sorte Fruchtzwerge sie nicht mochte. Wann und warum sie mit ihren jüngeren Schwestern gestritten hat. Und und und.

Und mit ihr gemeinsam können dies hunderttausende Menschen. Bzw., das sind bloß die, die es auch wirklich tun. Können tut es jeder. Ihre erste Liebe wird es können. Die doofen Mädchen aus der Parallelklasse werden es können. Ihr empathieloser Mathematiklehrer wird es können. Ihre erste Chefin wird es können.

Auch wenn die Gesichter der Kinder zensiert sind, man kann sie ja trotzdem in jeder Lebenslage beobachten. Und die Entscheidung hierfür liegen nicht einmal in ihrer Hand.

Zu welchem Preis das Ganze?

Kohle. Die Aufzeichnungen dienen überhaupt nicht rein zu Tagebuchähnlichen Zwecken, sondern hauptsächlich, um Geld zu verdienen. Am deutlichsten ist dies auf Instagram zu sehen, ich bin aber überzeugt, dass es in den Videos nicht anders aussieht.

Pi mal Daumen ist jeder zweite Post ist mit #Werbung gekennzeichnet. Fruchtzwerge, Wundschutzcreme, ein Supermarkt, ein Personaltrainer, ein Kinderwagen, ein anderer Kinderwagen, Armbanduhren, Gewürze, Wellnessurlaub, Bauklötze, Umzugsunternehmen, Kinderbetten, Lego, ein Staubsaug/wisch/allinone Dingens, Proteinsmoothies, noch ein Wellnessurlaub. Gefühlt wird alles, was man benötigt, um ein rundum entspanntes Familienleben zu führen gesponsort. Da versteht man den Reiz hinter dem Ganzen schon ein wenig.

In den Instagramstories sieht es nicht anders aus. In den letzten 24h wurden 26 kurze Eindrücke festgehalten. 16 davon sind mit Werbung beschriftet. Ganze 13 für eine Gesichtspflegeserie, von der ich noch nie gehört habe, die stolz mit „viele wollten wissen wie meine abendliche Pflegeroutine aussieht“ angekündigt wird. Rabattcode inklusive. 3 weitere sind für Lidl Deutschland. Der Rest ist „Nudeln kochen“ und „Brettspiel spielen.“ Auch in den Kommentaren sind genervte Aussagen zu finden wie „du postest nur noch Werbung in den Stories.“ Na grandios.

Da kann man natürlich auch nicht so mir nichts dir nichts alles hinschmeißen. Die Marken wollen gesehen werden und die Zuschauer wollen ein spannendes Familienleben sehen. Da werden natürlich die Kinder brav in die Kamera gehalten. Womöglich mehr für die Marken, als für die Zuschauer. Isabeau hat sogar einen eigenen Shop, auf dem jedoch auch nur weitere, diverse Marken verkauft werden. Und Merch. Eventuell ja damit doch noch Kohle fließt, wenn sie alles hinschmeißen möchte.

Ich kann die Faszination hierfür noch immer nicht nachvollziehen. Es finden sich kaum wertvolle Tipps, keine Rezepte, keine DIY o.Ä. Rein der normale Alltag. Wieder und immer wieder.

Die Kids haben sicherlich nichts dagegen, entspannt aufzuwachsen, ohne dass es ihnen an etwas fehlt. Aber ist das schön, wenn die Mama jeden Tag durch einen kleinen schwarzen Kasten mit Personen redet, die nie auftauchen? Kann man in dem Alter schon verstehen, wie das Internet funktioniert? Ich weiß es nicht. Vermutlich werden wir die Konsequenzen, die daraus resultieren erst kennen, wenn es zu spät ist. Immerhin sind sie die erste Generation, die mit Eltern aufwächst, die YouTuber sind.

 

Kann man Stars via Social Media direkt erreichen? Social Media Analyse der Arctic Monkeys

Im Mai 2018 hat die britische Indie-Rock Band Arctic Monkeys ein neues Album veröffentlicht. Ohne vorherige Promotion auf Social Media wäre „Tranquility Base Hotel & Casino“ vermutlich für viele Fans überraschend erschienen.

Auf Social Media ist man auf einem Präsentierteller. Komplett freiwillig und die meisten wollen und genießen diese Aufmerksamkeit auch. Während viele Personen Social Media rein zur narzisstischen Selbstdarstellung nutzen, stellen Plattformen wie Instagram und Co für viele KünstlerInnen die beste Möglichkeit dar, um ihre Werke zu präsentieren. Grafische KünstlerInnen können sich so schnell eine riesige Fangemeinde aufbauen, obwohl sie nie ausgestellt haben und niemand ihren Namen kennt.

Auch für MusikerInnen, die ihren Bekanntheitsgrad nicht durch die sozialen Medien erreicht haben, ist mittlerweile ein Kontakt mit den Fans auf diesen Plattformen unvermeidlich. Sogar Paul McCartney, der den Höhepunkt seiner Karriere zu einer ganz anderen Zeit hatte, hat einen offiziellen Instagram Account, ob der nun auch von ihm persönlich geführt wird ist zu bezweifeln. Aber das macht seinen rund 2,2 Mio. Abonnenten überhaupt nichts aus. Es ist nun einmal die einfachste Möglichkeit für sie mit Stars wie ihm in Kontakt zu treten und up to date zu bleiben.

Die Geschichte der Indie-Rock Band Arctic Monkeys beginnt im Jahre 2002, zumindest wenn man diese rein auf Wikipedia betrachtet. Facebook ist noch nicht einmal veröffentlicht, das Internet ist fast nur über Monitore, die doppelt so tief wie breit sind, zugänglich und Musikvideos werden hauptsächlich über

Quelle: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Arctic_Monkeys.jpg

Viva und MTV empfangen. Downloads sind, wenn überhaupt, illegal, Platten sind total out und Chartplatzierungen werden ausschließlich über den Verkauf von CD’s festgelegt. Nur ein Jahr, nachdem Alex Turner (Gesang, Gitarre, Keyboard) und Jamie Cook (Gitarre) zu Weihnachten Gitarren geschenkt bekommen hatten gründeten sie die Band mit weiteren Schulkollegen.

 

Bekanntheitsgrad erlangten sie ganz klassisch. Erste Gigs, mehr Aufmerksamkeit. Erste Radioauftritte, noch mehr Aufmerksamkeit. Größere Gigs, viel mehr Aufmerksamkeit als erwartet. Plattenvertrag.

Ihr Debütalbum ist das bestverkaufte Debütalbum im gesamten vereinigten Königreich. 363.735 Tonträger wurden verkauft.

Auf Instagram haben sie mittlerweile 1,1 Mio. Follower, als ich gestern nachgesehen habe waren es noch 1 Mio.

Die Seite schaut sehr ästhetisch aus, ihre Posts bestehen hauptsächlich aus grafisch höchstinteressanten Bildern, die Abbildungen von Postern darstellen, die sie an diesem Abend verkaufen werden. Für jedes Konzert haben sie ein anderes Poster, welches zu erwerben ist, was diese zu einer besonderen Rarität macht. (Auch wenn in den Kommentaren jedoch oft traurige Aussagen zu finden sind, von Fans, die auch gerne das Poster hätten, das in Buenos Aires verkauft wird, die jedoch selbst in Helsinki wohnen.)

Des Weiteren werden die Tour Daten und Infos über kommende Konzerte gepostet. Außerdem Promotion über den Online Shop. Ansonsten nicht sehr viel. Selten finden sich zwischendurch auch Fotografien, die jedoch immer in schwarz-weiß gehalten sind und eine gewisse Seriosität ausstrahlen. Keine Selfies, keine Hundefilter.

Auf Facebook haben sie sogar über 7 Mio. Follower, auf Twitter sind es 1,72.  Es finden sich jedoch überall exakt die gleichen Postings. Genauso ästhetisch, genauso informativ. Aber genau gleich.

Anscheinend ist es für bekannte MusikerInnen einfach wichtig, auf allen Plattformen vertreten zu sein und Bands profitieren nicht zwingendermaßen von dem Aufbau und der Funktionalität einer Website, wie beispielweise Fotografen von Instagram etc.

Recherchiert man nach den Seiteninformationen auf Facebook sieht man sofort, dass insgesamt 54 Personen aus 8 verschiedenen Ländern die Seite verwalten. Und es ist stark zu bezweifeln, dass einer von diesen ein Mitglied der Arctic Monkeys ist.

Diese 54 Personen enttäuschen einen jedoch nicht, die Facebookseite ist sortiert und man findet in Unterkategorien „Tour Dates“, „GIGS“, „Fotos“, „Videos“ und mehr. Das ist unglaublich praktisch und ist somit informationstechnisch beinahe ident mit der Website der Band. Es ist sogar möglich, direkt über Facebook Tickets zu kaufen.

Diese Möglichkeit wird auf Instagram und Twitter nicht geboten, was möglicherweise daran liegt. Die „Gig“ Seite kann auch kommentiert werden und somit wird für die Fans zumindest der Anschein erweckt, man habe die Möglichkeit Einfluss auf die Konzerttermine nehmen. Hier finden sich zu 99% Kommentare wie „Please come to *Heimatstadt des Users einfügen*“.

Auf ihrem YouTube Kanal „Official Arctic Monkeys“, der 3,7 Mio. Abonnenten hat finden sich alle ihre Musikvideos, die im Laufe der Zeit (und des Ruhms klarer Weise) exponentiell besser wurden.

 

Für Bands ist Social Media zur wichtigsten Informationsquelle geworden. Hier haben sie die Möglichkeit, sich nicht nur an Musiknerds zu richten via Musikmagazinen, sondern an alle ihre Fans. Auch wenn die bekanntesten MusikerInnen von dem Treiben auf ihren Seiten dieser Plattformen vermutlich nicht viel mitbekommen.

 

Beitragsbild: Quelle: https://www.flickr.com/photos/philadelphia_live/27141136157

 

Nicht immer gibt es einen Schuldigen – Die Grausamkeit von Shitstorms

So etwas kann einem auch erst seit wenigen Jahren passieren. Gerade erst auf der Welt und schon gibt gefühlt eine ganze Nation ihren Senf über einen ab. Was früher nur in verschanzten Nazikellern geäußert wurde, wird heutzutage lang und breit im Internet diskutiert. Willkommen im Jahr 2018, willkommen im Populismus, willkommen in einem Shitstorm.

Asel und das Jahr 2018 nach Christus haben eines gemeinsam. Sie sind fast genau gleich alt. Nur 47 Minuten nach Mitternacht erblickt die kleine Asel das Licht der Welt, beziehungsweise vorerst das Licht der Rudolfstiftung.  Sie ist das erste Baby, das im, ebenfalls sehr jungen Jahr, zur Welt kommt und das ist ein Highlight, vor Allem für die eigenen Eltern. Obwohl die Steirerin Julia Marie um 46 Minuten früher dran war, bekam das Foto ihrer, bestimmt sehr glücklichen, Eltern so gut wie niemand zu sehen. Wie Asels Eltern aussehen war jedoch bald auf jedem Titelblatt, denn die Internetuserschafft empörte sich darüber, dass ihre Mutter ein Kopftuch trug.

Quelle: Wikipedia (Creative Commons)

Richtig. Jenes Merkmal, das sie mit jeder Nonne gemeinsam hat sorgte hierbei für Aufruhr. Ich traue mich sogar zu Wetten, dass noch vor hundert Jahren viele Hebammen Kopftücher trugen, genauso wie die Frauen, die entbanden.

 

Aber heutzutage würde keine Frau mehr ein Kopftuch aufsetzen, es sei denn sie macht dies aus Religiöser Motivation. Denn niemand würde gerne fälschlicherweise für eine Muslimin gehalten werden, denn Muslime zählen leider heutzutage in manchen Gesellschaften zu der von Diskriminierung an der stärksten betroffenen Gruppe.

 

Somit ist auch sofort klar, dass Asels Mutter Naime Muslimin ist und darüber empörten sich einige Menschen gewaltig und unter den Kommentaren auf Facebook fanden sich Aussagen wie:

 

„Würg zieht doch erst einmal eure Putzlappen vom Kopf!!! Unhygienisch ☹ Das gehört in Krankenhäuser verboten!!!!!“

„Nächster Terrorist ist geboren“

„Auch 2018 sind Mehmet und Fatma nicht erwünscht. Das ändert nichts an der Jahreszahl.“

 

Dass jedes dieser Kommentare eine zweistellige Anzahl an „Daumen hoch“ erhalten hat unterstreicht die Ernsthaftigkeit, die hinter diesen ekelhaften Behauptungen steckt. (Der Verein Netpeace hat einiges dazu zusammengetragen)

 

Es gibt sogar schon Studien, die das Auftreten von Shitstorms untersucht haben. Hierbei lassen sich folgende Schemas erkennen:

  • Unethisches Verhalten
  • Qualitätsmangel bei Produkten oder im Kundenservice
  • Unprofessionelle Kommunikation
  • Keine schnelle Reaktion

Und wer nun vernünftig kombinieren kann und hoffentlich kein Rassist ist, kann nun schnell feststellen, dass auf Asels Geburtsbericht keiner dieser Punkte zutrifft. Was kann denn ein kleines Baby auch schon an seinem ersten Tag groß falsch machen? Dennoch wurden Onlineartikel über sie von Wut und Frust überrollt und das zeigt ganz deutlich auf, dass der Fehler bei einem Shitstorm nicht immer bei einem Unternehmen oder einer Person liegt, sondern dass ganz oft auch unsere Gesellschaft das Problem ist. Eine Gesellschaft, in der wir uns langsam daran gewöhnen, dass ein Kopftuch ein klares Zeichen für Diskriminierung und in der Islamfeindlichkeit in Facebook Kommentaren im Vergleich zur Freude über die Geburt eines Babys überwiegt.

Und genau dagegen muss etwas getan werden!!

Glücklicherweise nimmt Asels Geschichte ein doch kein allzu trauriges Ende.

Der Caritas-Generalsekretär Klaus Schwertner rief zu einem „Flowerrain“ gegen Hass im Netz und für die Familie des Neujahrbabys auf und rund 33.000 Menschen, darunter Bundespräsident Alexander Van der Bellen hinterließen ihre Glückwünsche.

Außerdem wurde im September diesen Jahres eine 48-Jährige Frau verurteilt, da sie ein rassistisches Kommentar gegen Asels Familie verfasst hatte. Dies ist zwar im Vergleich zu den Hasspostings nicht viel, aber dennoch ein großer Schritt! Denn beim nächsten Neujahrsbaby, werden es sich Rassisten eventuell zwei Mal überlegen.

Das Rauchen – eine kleine Geschichtsstunde

Selbst in Kinderspielen findet sich das Ritual wieder. Nach einem aufregenden Indianerkampf durch das wilde und gefährliche Dickicht des Wohnzimmers wird eine imaginäre Friedenspfeife angezündet und genüsslich in einem Tipi aus Bettdecken gepafft. Das Rauchen ist also fest verankert in unserer Gesellschaft. 

Auch wenn in den indianischen Pfeifen Nordamerikas meist Salbeiblätter oder Süßgras verbrannt wurde, ist das gezielte inhalieren von Rauch für viele noch immer eine Art Ritual, das sie gerne und oft durchführen. Und dies mag nicht allein an dem hohen

Quelle: Pixaby (Kordpace)

Abhängigkeitspotential von Nikotin liegen, sondern auch an dem positiven gesellschaftlichen Feedback. Man hat sofort Personen, denen man sich anschließen kann, wenn gefragt wird „Wer geht mit eine rauchen“ bzw. schnell neue Freunde wenn man jemandem mit einem Lächeln fragt ob er oder sie „eine Tschick schnorren will“.

Doch es gibt auch (zum Glück) negative Resonanzen auf den gesellschaftlich verhältnismäßig sehr tolerierten Tabakkonsum. Gefühlt setzten sich immer mehr Menschen öffentlich und aktiv für ein Rauchverbot ein und wollen dieser tickenden Zeitbombe in Form eines Glimmerstangerls nicht mehr ausgesetzt sein.

Tatsächlich wird das Rauchen aber schon genauso lange kritisiert wie es existiert. In London, dem damaligen europäischen Handelszentrum für Tabak wurden Anfang des 17. Jahrhundert die ersten Versuche unternommen, das Rauchen zu verbieten. Der damalige König bezeichnete es ebenfalls als „Unsitte“ und stritt die damalige Kategorisierung des Tabaks als Medikament ab.  Das Verbot geschah, indem die Einführungszölle um 4000% erhöht wurden. Weniger konsumiert wurde dadurch jedoch nicht. Die Zahl der königlichen Importe sank und somit auch die königlichen Einnahmen. Der Schmuggel nahm jedoch um ein Vielfaches zu und die Ware wurde stark gestreckt. 1608 wurden die Zölle wieder gesenkt und die Tabaksteuer zu einer bedeutenden königlichen Einnahmequelle. (Dies wäre eventuell ein frühes Beispiel die heutige Drogenpolitik zu überdenken, just saying).

Doch trotz der zahlreichen Verbotsversuche in der Geschichte hat sich der Tabak durchgesetzt und ein Raucher zählt zu keinem ungewohnten Bild, überall auf der Erde.

Quelle: Pixaby (WenPhotos)

Arbeiterinnen in Mexiko-City erfanden schließlich die Zigarette, indem sie die Tabakreste, die bei der Produktion übrigblieben, in Papier wickelten. Zu Beginn des 19. Jahrhundert kamen diese Papierröllchen nach Europa, wo sie sich schnell zu einem Statussymbol entwickelten.  Die von Freigeistern wurden Zigaretten verwendet, um sich von einfachen Bürgern zu unterscheiden und somit wurde schnell etwas Positives mit der Zigarette verbunden, nämlich Weltoffenheit und ein eleganter Lebensstil. Außerdem wurden nun Frauen als neue Tabakkundinnen erworben, die schlanke Form der Zigaretten passte zum damaligen Frauenbild und somit entwickelte sie sich auch unter der weiblichen Bevölkerung als Statussymbol von Emanzipation.

Die Ersten, die das Rauchen aufgrund von gesundheitsschädlichen Risken verboten hatten waren die Nationalsozialisten. Dies begründeten sie mit der geringeren Arbeitsleistung durch die Gefahren von Krankheiten. Gepaart wurde dies mit massiver Propaganda, leider nicht anders zu erwarten, gegen Juden und Schwarze.

In der Nachkriegszeit florierte der Zigarettenschmuggel jedoch wieder. Viele der Studien der Nazis verschwanden und die Maßnahmen wurden wieder aufgehoben. Rauchen war nun wieder cool.

In den 50er Jahren wurde das Rauchen am Steuer sogar medizinisch empfohlen, da es wachhielt und angeblich „Kraftfahrer unter Nikotineinfluss weniger zu alkoholischer Beeinträchtigung neigen“. Es wurde also tatsächlich empfohlen, wenn man betrunken ab Steuer fuhr, eine Zigarette zu rauchen, da dies die Konzentration fördere.

Das Rauchen behielt sein „cooles“ Image auch bis in die 80er Jahre. Fernsehaufnahmen aus dieser Zeit vermitteln ein Bild, dass quasi ein ständiges Rauchen aufweist. Es wurde überall und von jedem gequalmt. In Talkshows und in Filmen, durch Stars und Politiker. Die Fernsehwerbung war überhäuft von Zigarettenwerbung.

Erst der Tod durch Tabakkonsum vieler prominenter Persönlichkeiten führte zu einem Umdenken in der Gesellschaft. Als Beispiel hierfür wäre der Marlboro Cowboy Wayne McLaren aus der Werbung zu erwähnen.

Mittlerweile sind die schädlichen Auswirkungen des Rauchens keine Theorie mehr. Es ist bewiesen, das Rauchen gefährlich ist und jeder kennt irgendwen, der an den Folgen des Rauchens verstorben ist. Ein totales Verbot wäre vermutlich genauso sinnlos, wie damals im 17. Jahrhundert. Ein Rauchverbot in der Gastronomie wäre jedoch bestimmt ein Schritt, in eine gesundere Zukunft.

(Quelle)

Warum wir lernen müssen das beste aus dem Internet herauszufiltern

Und wie wir das auf Partys schaffen können

Ich würde mich eigentlich nicht als „Opfer“ oder „Abhängige“ von Social Media bezeichnen. Es passiert mir durchaus, dass ich ab und zu mehrere Stunden nicht auf mein Smartphone blicke und dann ganz gestresste Nachrichten von Freunden und Familie erblicke. Oder dass in der Uni-Whatsapp Gruppe 10 verschiedene Themen diskutiert wurden in der Zeit.

Jedoch muss ich mich trotzdem ständig irgendwie mit den Endprodukten von digitalen Medien „bestrahlen“. Ich bin diese Art Mensch, die in jedem Moment, in dem die Ohren akustisch keinerlei Informationen ausgesetzt sind Musik an das Trommelfell weiterleitet. Ich habe immer Kopfhörer in meinen Ohren, wenn ich allein unterwegs bin. Wenn ich dann nach Hause komme und die Wohnung leer vorfinde gehe ich mit den Kopfhörern zu meinem Plattenspieler oder zu meinen Boxen und lege sie erst ab, wenn mein ganzes Zimmer mit dem Schall befüllt ist.

Quelle: Pixaby

Gut, ein Plattenspieler ist kein digitales Medium, aber es handelt sich um einen Plattenspieler mit Bluetooth Funktion also ist das wohl eine Art Grauzone. Dadurch, dass ich diesen Plattenspieler besitze ist mir aber auch bewusst, was für eine ungemeine Bereicherung digitale Medien und das Internet sind.  Allein der Fakt, dass ich über Musik Streaming Dienste zu einem verschwindend geringen Betrag sowohl Lady Gaga, Mozart oder Arctic Monkeys hören kann ist einfach unfassbar genial. Auf Homepartys kann ich DJane spielen und allen wünschen gerecht werden und muss im Prinzip nur mein Smartphone mitnehmen. Vor ein paar Jahren noch habe ich dafür einen Koffer voller Vinylplatten benötigt oder zumindest ein Rucksack voll mit CDs.

Ich kann praktisch keiner Tätigkeit mehr nachgehen ohne die passende Hintergrundmusik. Wenn ich dann mal wirklich lernen muss und mich zu keinem meiner Lieblingssongs konzentrieren kann hör ich eben klassische Musik und dann geht auch das Lernen viel einfacher.

Wenn keine Musik bei mir zu Hause läuft dann diverseste Videos, Podcasts oder Radiosendungen. Ich koche nie ohne, dass irgendeine Stimme mir entweder erzählt, was am heutigen Tag auf der Welt passiert ist oder mich mit sonstigen thematisch variierbaren Fakten beschallt. Sport fällt mir um ein Vielfaches leichter, wenn sich in meinen Ohren jemand über Trump aufregt oder meine Schritte zum Takt passen.

Dennoch bin ich überzeugt, dass auch ich noch lernen muss mit der riesigen Masse an digitaler Information, die uns zur Verfügung steht, umzugehen. Ich höre oder sehe mir dennoch immer oft das gleiche an. Das ist das hinterlistige an diesem Internet. Dass es so viel zu sehen und zu hören bietet, dass wir damit maßlos überfordert sind. Ich denke, das wird sich im Laufe der Menschheitsgeschichte auf jeden Fall einpendeln. Ein guter Schritt hierfür ist bestimmt der Austausch und auch wenn die wenigsten noch auf Partys gehen auf denen sie Schallplatten austauschen um Geld zu sparen, könnten wie neue Partys „gründen“, auf denen wir uns über die besten Bands, Filme, Podcasts austauschen die das Internet zu bieten hat. Um anschließend Zeit zu sparen und diese sinnvoll nutzen.